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Warum Harald Grabner deutschen Agenturen Balkan-Denken empfiehlt

kress.de: Herr Grabner, aktuell haben Sie sich von Ihrem Heimatmarkt Österreich aus mit Ihrer Agentur auf den deutschen Markt gewagt. Warum erst jetzt dieser Schritt?

Harald Grabner: Deutschland war für mich schon immer ein wichtiger Markt. Seit Beginn meiner beruflichen Laufbahn war ich hier unterwegs und aktiv. Mit meinem eigenen Business wollte ich mich aber zunächst in meinem Heimatland etablieren, ein solides Standbein aufbauen. Diese Phase ist jetzt erreicht und die Expansion der nächste logische und zugleich spannende Schritt. Zudem sind zahlreiche österreichische Unternehmen in deutsche Konzerne eingegliedert, somit werden viele Prozesse in Deutschland gesteuert. Mit der Expansion rücken wir aus dem österreichischen Markt, der meist nur als Nebenprodukt in einer Gesamtstrategie D-A-CH eingegliedert wird, näher an die Entscheidungsträger heran und sind in Berlin am Ort des Geschehens.

"Wir sind uns unseres österreichischen Knowhows bewusst"

kress.de: Ihr Haus gilt in Österreich als bestens vernetzt und kann sich auf treue Kunden verlassen. Warum wollen Sie sich nun dem Wettbewerb in der doch ziemlich umkämpften Digitalmetropole Berlin stellen? 

Harald Grabner: Wir scheuen den Wettbewerb nicht und sind uns unserer Qualitäten und unseres österreichischen Knowhows bewusst. Mit unserem Office in Berlin haben wir eine erste deutsche Dependance, von der aus wir den gesamten Markt anvisieren möchten. Wir sind davon überzeugt, dass unser Angebot auch im direkten Vergleich mit den großen deutschen Agenturen überzeugen kann. Reden können wir natürlich viel – deswegen möchten wir uns jetzt beweisen…

kress.de: Aus Ihren Erfahrungen: Inwiefern unterscheiden sich die deutsche und die österreichische Digitalszene strukturell?

Harald Grabner: Für digitale Startups und Unternehmen allgemein ist Deutschland sehr viel attraktiver als Österreich. Strukturen und Denkmuster der Österreicher stecken meines Erachtens noch in der Klassik fest – nicht zuletzt dadurch, dass die Marschrichtung hier von den Mediaagenturen vorgegeben wird. Vereinzelte Partisanen gibt es freilich, das Gros jedoch hat wenig Verständnis für die digitale Szene und die schnellen Entwicklungsschritte dahinter. In puncto Verständnis und Akzeptanz ist Deutschland viel weiter, man ermöglicht es digitalen Geschäftsmodellen sich erfolgreich zu etablieren und zu entfalten. Österreich bietet ein flexibleres Personalmanagement als Deutschland, hierdurch ergibt sich ein gewisser Wettbewerbsvorteil. Die Erfahrung zeigt jedoch: Die meisten digitalen Unternehmer werden erst im Ausland so richtig erfolgreich und nicht in Österreich. RedBull und Manner einmal ausgenommen.

kress.de: Inwieweit folgen Sie einem Bedürfnis bestehender Österreich-Kunden, von Ihnen auch im Nachbarland betreut zu werden?

Harald Grabner: Zweifellos freuen sich unsere österreichischen Kunden auch in Deutschland von unseren Leistungen profitieren zu können. Per se ist es unsere klare Absicht unser Kundenportfolio in Deutschland zu erweitern, wodurch unsere österreichischen Kunden natürlich auf noch mehr zukünftiges Know-how zurückgreifen können und bessere Insights für den deutschsprachigen Markt erhalten.

"Der Return-On-Invest ist uns heilig"

kress.de: Ihr Haus legt Wert auf die enge, tatsächlich offenbar recht persönliche Betreuung Ihrer Kunden. Inwieweit ist das ein Stil, von dem sich deutsche Mitbewerber Ihrer Klasse etwas abschauen könnten? 

Harald Grabner: Über 20 Jahre war ich selbst auf Kundenseite u.a. als Head of Marketing, insofern habe ich aus meiner persönlichen Erfahrung heraus ein fundiertes Verständnis für die Bedürfnisse der Geschäfts- und Marketingleitung. Der Return-On-Invest ist uns heilig - Bedürfnisse erkennen, daraus sinnvolle Unternehmensziele erarbeiten und Erfolge messen ist jeher das Agenturcredo. Es ist mir ein persönliches Anliegen der Protokoll- und Dokumentenbürokratie den Garaus zu machen und möglichst effizient für den Kunden arbeiten zu können. Persönliches, fokussiertes und reaktionsschnelles Arbeiten im Sinne des Kunden. Viele Agenturen – sowohl in Deutschland, als auch in Österreich – haben die Notwendigkeit eines solchen Kundenfokus zwar bereits erkannt aber eben noch nicht in letzter Konsequenz umgesetzt. Solche Umsetzungen gehen natürlich auch an die Substanz und mittlerweile gehe ich schon davon aus, dass wir hier eine gewisse Vorbildfunktion erfüllen.

kress.de: Mit der Expansion nach Berlin ziehen Sie auch in den Kampf um Digital-Talente. Was spricht für ein Engagement in Ihrem Haus?

Harald Grabner: Bislang, toi toi toi, ist das Recruiting von Talenten für uns absolut kein Kampf. Professionals und Talents schätzen unsere ehrliche und direkte Art, unseren Fokus auf Beratung, die vielfältigen Kunden und vor allem auch das lebhafte und motivierte Team. Außerdem ist unser Headoffice in Wien auch nicht weit, sollte es mal jemanden für ein "Auslandssemester" an die Donau ziehen.

kress.de: Woher beziehen Sie selbst für Ihr eigenes berufliches Handeln die wichtigsten Inspirationen?

Harald Grabner: Ich besuche regelmäßig internationale Kongresse, dort bilde ich mich fort und tausche mich aus. Wahre Inspiration erfahre ich meistens in den ruhigeren Momenten im digitalen Permanentfluss und im persönlichen Austausch mit meinem Netzwerk. Zudem lese ich viel, nicht nur die Digitallektüre, mich interessieren auch gesellschaftliche, politische und kulturelle Themen. Ich bin der Überzeugung, ein breites Interessensspektrum ist die beste Quelle der Inspiration.

kress.de: In welchem Segment sehen Sie für Ihr Haus aktuell noch großes Wachstumspotenzial?

Harald Grabner: Wir wollen unser Kundenportfolio gerne internationalisieren und sind optimistisch im deutschen Mittelstand passende Kunden zu finden, die uns auch global herausfordern. Wir bieten internationalen Kunden ein umfassendes Consulting und sind Experten in der Verknüpfung von Offline- und Online-Disziplinen - Eine 360°- Beratung, sozusagen!

kress.de: Wenn Sie auf Ihre eigene bisherige Karriere zurückblicken: Wo haben sie am meisten gelernt und was hilft Ihnen im Tagesgeschäft am meisten?

Harald Grabner: Ich musste sehr früh lernen, was Disziplin und Verantwortung bedeuten. Aus einer Unternehmerfamilie stammend, konnte ich bereits im Alter von zehn Jahren im Betreib mithelfen und lernte unternehmerisches Denken. Und ich erfuhr, dass Freizeit kostbar ist. Dieses Mindset war entscheidend für den meinen Werdegang. Ich habe in allen Stationen immer schnell Karriere gemacht und konnte mich in jeder Lage auf mein Bauchgefühl verlassen. Mit 27 war ich Konzernmarketingleiter für AT und DE. Ich denke im Tagesgeschäft kommt mir am meisten zu Gute, dass ich früh mit dem Unternehmertum in Berührung kam und jeher wie ein Unternehmer denke und handle.

"Ich liebe das Theater"

kress.de: Irgendwann muss ja mal Feierabend sein. Wie und wo laden Sie Ihre Batterien wieder auf?

Harald Grabner: Ich liebe das Theater und besuche regelmäßig kulturelle Veranstaltungen, meinen Turbo lade ich auf dem Radl wieder auf. Natürlich nutze ich auch meine Aufenthalte in Berlin, gehe gerne in die kleinen Restaurants und Clubs und morgens an der Spree Brunchen.

kress.de: Häufig macht ja das Karl Kraus zugeschriebene Bonmont die Runde, dass Deutsche und Österreicher angeblich die gemeinsame Sprache trenne. Gilt das auch für die Arbeitswelt?

Harald Grabner: Kraus zugeschrieben, aber wie die wenigsten wissen, in Wahrheit auf Karl Farkas zurückzuführen, der in den 50ern eine Variante dieses Aphorismus nach dem englischen Bonmot "Britain and America Are Two Nations Divided by a Common Language" prägte. Man sagt, in Wien beginne der Balkan: Die Arbeitswelt ist nicht so straff organisiert, man ist flexibler – es läuft alles mehr wie in einem Startup. Jeder weiß was er zu tun hat. Unicorns halt!

kress.de: Wie groß ist Ihre Sorge, dass Ihre österreichischen Mitarbeiter auf dem deutschen Markt kulturell "fremdeln" könnten?

Harald Grabner: Unser Team ist Multikulti, somit ist die Sorge nicht vorhanden. Wir teilen alle dasselbe Verständnis von "Digital" und schätzen die Fusion von Kulturen. Ich bringe den Berlinern Sachertorte und den Wienern Berliner Pfannekuchen mit. Kulturelle Vernetzung, die durch den Magen geht! Fremdeln muss da keiner.

kress.de: Sie führen ein "kressköpfe"-Profil. Wie wichtig ist es für die Arbeit in Ihrem Netzwerk?

Harald Grabner: kress ist eine wunderbare Plattform der ersten Stunde, die die Transformation von analog zu digital nachhaltig gemeistert hat. Ich informiere mich hier gerne zu aktuellen Themen, vernetze mich mit Branchenkollegen und browse regelmäßig neue Profile. Immer interessant und gut zu wissen: Die aktuelle Übersicht über das Bäumchen-Wechsel-Dich der Branche. Darüber hinaus schätze ich das „Sehen und Gesehen werden“ und hoffe weiterhin auf viele talentierte Professionals, die mit uns die digitale Transformation vorantreiben/ die mit uns die 123-Flagge hissen und auf dem digitalen Transformationsfluss von der Donau bis an die Spree schippern.

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